Interview auf Deutschlandradio Kultur

04.12.2012
US-amerikanische Soldaten berichten mehr und mehr von den Geschehnissen an der Front. (Bild: AP)
US-amerikanische Soldaten berichten mehr und mehr von den Geschehnissen an der Front. (Bild: AP)

Nachrichten von der Front

Medienwissenschaftlerin Roering über Soldaten, die über den Krieg bloggen

Johanna Roering im Gespräch mit Frank Meyer

Meinungsfreiheit habe es im Krieg bisher nicht wirklich zu geben, sagt die Medienwissenschaftlerin Johanna Roering. Diese Freiheit forderten einige Soldaten aber nun ein – und verbreiten ihre Meinung in Kriegsblogs.

Frank Meyer: Soldaten sollen Befehle ausführen. Sie sollen nicht über Befehle diskutieren und schon gar nicht über die Strategie oder gar den Sinn eines Einsatzes. Nun hat sich aber mit dem Vormarsch der digitalen Medien auch das Selbstverständnis von Soldaten verändert. Amerikanische Soldaten berichten in Blogs von ihren Einsätzen und sie mischen sich ein in die Debatte über die Strategie des Krieges. Die Medienwissenschaftlerin Johanna Roering hat solche Blogs aus dem Irakkrieg untersucht, und mit ihr reden wir in unserer Reihe über die Zukunft des Krieges. Frau Roering, seien Sie herzlich willkommen!

Johanna Roering: Hallo!

Meyer: Wovon schreiben denn die amerikanischen Soldaten aus dem Irak in ihren Blogs? Gibt es da Themen, die man zusammenfassen könnte, die sich durchziehen?

Roering: Also, es ist natürlich ganz gemischt. Es geht wirklich vom Wetter über was es zu essen gab, die täglichen Einsätze, die Erlebnisse in den Lagern, das Training, die Vorbereitung. Also so der Kriegsalltag, sagen wir mal, ist das Hauptthema in diesen Blogs.

Mehr hier…

Krieg Bloggen

Krieg bloggen, Johanna Roering

Blogs von Soldaten aus dem Irakkrieg sind Teil bedeutsamer Umstrukturierungen unserer Medienkultur: Soldaten werden zu Journalisten, persönliche Botschaften zu Kriegsberichterstattung. Johanna Roering beschreibt erstmals systematisch dieses Phänomen, indem sie Darstellungsverfahren und Kommunikationsprozesse in »Military Blogs« untersucht. Dabei wird deutlich, dass »Military Blogs« gleichzeitig der interpersonalen Kommunikation dienen und sich in einen online stattfindenden »Infowar« einfügen. Hoffnungen auf kriegskritische Augenzeugenberichte werden meist enttäuscht. Dennoch: »Military Blogs« eröffnen dem Leser eine soldatische Perspektive auf den Komplex »Irakkrieg« – von der Militärstrategie bis hin zu Themen wie posttraumatischem Stress.

My Book is Here!

Johanna Roering

Krieg bloggen

Soldatische Kriegsberichterstattung in digitalen Medien

Mai 2012, ca. 340 S., kart., zahlr. Abb., ca. 32,80 €
ISBN 978-3-8376-2004-7
Reihe Kultur- und Medientheorie

Auch zu finden unter:

http://www.transcript-verlag.de/ts2004/ts2004.php

und

Krieg bloggen: Soldatische Kriegsberichterstattung in digitalen Medien

Krieg bloggen: Soldatische Kriegsberichterstattung in digitalen Medien

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sogar beim japanischen Amazon.co.jp

A New Project.

I’ve been thinking about a new project, which moves along the lines of the class I’m teaching about technological utopias.

All I have at the moment is a sketch in German. Read and feel free to contact me, if you’ve been thinking along the same lines!

(More famous people that have been thinking along the same lines either recently or a while ago are Vivian Sobchack and Richard Barbrook.)

Technological Utopias

I am teaching the class Technological Utopias at the moment, which should be relevant ot the interests of all my nerdy/political/paranoid friends.

Here is the course description:

Technological developments have always inspired visions of the future. The introduction of the first automated looms in the 1770s prompted both utopian visions of wide and accesible employment and a dystopia of the complete replacement of humans with these early machines.  In turn, visions of the future have inspired technological developments. Information technology pioneers like Vannevar Bush, Ted Nelson and Richard Stallman were guided by ideas of a participatory, decentralized or simplified future when they imagined and designed inf0rmation technology

Even though technology seems to be neutral or apolitical, these visions often have a decidedly political edge. A recent example is Julien Assange’s political vision of a radical cryptoanarchism, which guides his actions as head of Wikileaks.

In class we will examine the cultural dimensions of technological innovation. Moreover, we will trace the politics that shape these innovations. Although we will begin with reading from the early 20th century, we will be focusing on Post-WWII texts such as Vannevar Bush’s As We May Think, Marshall McLuhan’s writing, William Gibson’s Neuromancer and the Manifesto of Philosophic Condition by Anonymous.

Done! Done! Done!

I have handed in my dissertation!

That is all I have to say right now.

Das Medienereignis Irakkrieg

Momentan überschlagen sich ja allerlei Medienakteure um die aufwühlendste und dramatischste Geschichte aus Haiti zu berichten. Über die Zerstörung und das Elend, das durch das Erdbeben verursacht wurde, hat sich sofort ein zweite Ebene eifriger Medienberichte gelegt, die Haiti zu einem Medienspektakel werden lassen und uns minütlich mit den “aktuellsten” und “emotionalsten” Storys versorgen.

Man kann die Berichterstattung der Medien als eigenes Ereignis betrachten, dessen Darstellungsformen nicht so sehr an das Erdbeben gebunden sind, sondern vielmehr an inhärente Gesetze, zum Beispiel in diesem Fall an eine narrative Struktur: Hoffnung im Angesicht der totalen Zerstörung.

Ähnlich – bzw. viel ausführlicher und besser – argumentiert Guido Isekenmeier in seinem Buch “The Medium is the Witness: Zur Ereignis-Darstellung in Medientexten – Entwurf einer Theorie des Medienereignisses und der Analyse der Fernsehnachrichten vom Irak-Krieg.”

Meine Rezension des Textes Eine gelungene Untersuchung realistischer Darstellungsverfahren im Medienereignis anhand der Fernsehnachrichten über den Irakkrieg” ist seit gestern auf IASL Online zu lesen.

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